Mexikos Bürgermeister verklagt Kardinal wegen Verleumdung





Im Streit um die Gleichberechtigung homosexueller Paare hat der Bürgermeister von Mexiko-Stadt, Marcelo Ebrard, eine Verleumdungsklage gegen den zweitmächtigsten Kirchenmann im Land, Kardinal Juan Sandoval Iniguez, eingereicht. Ebrard erklärte zur Begründung, der Erzbischof von Guadelajara habe ihn zu Unrecht beschuldigt, Richter des Obersten Gerichtshof beeinflusst zu haben, damit sie die in Mexiko-Stadt beschlossene Regelung zur Homo-Ehe billigen. Der Kardinal müsse zugeben, „dass er gelogen hat“, seine Aussage widerrufen und sich für die Äußerung öffentlich entschuldigen, sagte der Linkspolitiker.

Ebrard reichte überdies Klage wegen Rufschädigung gegen den Sprecher des Bischofsamt von Mexiko, Hugo Waldemar, ein, der den Vorwurf von Sandoval Iniguez bekräftigt hatte. Der Kardinal hatte erklärt, es gebe keinen Zweifel, dass die Obersten Richter „reichlich von Ebrard bestochen“ worden seien. Auch internationale Einrichtungen hätten Einfluss auf das Gericht genommen.

Der Oberste Gerichtshof hatte diesen Monat die in Mexiko-Stadt eingeführte Homo-Ehe mitsamt dem Recht gleichgeschlechtlicher Ehepaare auf die Adoption von Kindern für verfassungsgemäß erklärt. Mit der Entscheidung der mexikanischen Hauptstadt Ende 2009 wurde die Homo-Ehe erstmals in Lateinamerika möglich. Im streng katholischen Mexiko ist die Regelung allerdings höchst umstritten. Anders als die Lokalregierung in Mexiko-Stadt ist die Regierung von Staatschef Felipe Calderón konservativ eingestellt.