Französischer Physik–Nobelpreisträger Charpak ist tot

Leute | | 30. 09., 2010 um 11:20

Der französische Physik-Nobelpreisträger und ehemalige Widerstandskämpfer Georges Charpak ist tot. Wie das Pariser Wissenschaftsministerium mitteilte, starb der aus Polen stammende Wissenschaftler im Alter von 86 Jahren in Paris. Charpak hatte den Nobelpreis 1992 für seine Entwicklung von Teilchendetektoren erhalten. Er arbeitete unter anderem am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf.

Charpak, der am 8. März 1924 in einem jüdischen Ghetto im Osten Polens geboren wurde, kam im Alter von sieben Jahren mit seinen Eltern nach Frankreich. 1941, als Frankreich von Nazi-Deutschland besetzt war, engagierte sich der damals 15-Jährige im Widerstand. Wie seine ganze Familie lehnte er es ab, den Judenstern zu tragen und beschaffte sich falsche Papiere unter dem Namen Charpentier. 1943 wurde Charpak ins Konzentrationslager Dachau deportiert, wo er bis Kriegsende blieb.

Zurück in Frankreich nahm er die französische Nationalität an und studierte an einer Pariser Elite-Ingenieursschule. 1955 promovierte er am renommierten Collège de France, vier Jahre später ging er als Forscher an das CERN in Genf. Seinen Ruhestand verbrachte der Vater von drei Kindern in Paris, wo er mehrere Bücher schrieb.

Die Leidenschaft für die Forschung verließ Charpak auch im hohen Alter nicht: Noch mit 84 Jahren entwickelte er ein Röntgengerät für Kinder, das die Strahlendosis erheblich reduziert. Außerdem engagierte er sich für die nukleare Abrüstung und forderte, alle Atomwaffen unter internationale Kontrolle zu stellen. Nur so würden Länder wie der Iran die “Spielregeln akzeptieren”. Die zivile Nutzung der Atomkraft hielt der Physiker hingegen angesichts des wachsenden Energiebedarfs für “unumgänglich”.

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